Studienordnung

Studienordnung der Maria-Goretti St. Vith

1. Einleitung

Vorliegende Studienordnung wurde in Verbindung mit dem Erziehungs- und pädagogischen Projekt des Katholischen Unterrichtswesens erstellt sowie gemäß den gültigen Dekreten und Vorschriften im Unterrichtswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Sie beschreibt insbesondere die Kriterien für eine qualitativ gute schulische Arbeit, die Mittel zur Bewertung schulischer Arbeit, die Beratungen der Klassenräte und deren Entscheidungen.

Sie richtet sich an alle Schüler, minder- oder großjährig, sowie an deren Erziehungsberechtigte, die ihr Einverständnis durch ihre Unterschrift bestätigen.

Sie entbindet weder Schüler noch deren Erziehungsberechtigte von der Beachtung legaler Texte und administrativer Vorschriften, die sie betreffen, und auch nicht von der Beachtung zusätzlicher Mitteilungen seitens der Schule.

Die Studienordnung behandelt insbesondere folgende Punkte:

  • eine Zusammenfassung des Erziehungs- und pädagogischen Projekts sowie des Schulprojekts
  • Mitteilungen an die Schüler zu Beginn eines Schuljahres
  • die Bewertungen und deren Mitteilung
  • Zusammensetzung und Zuständigkeiten des Klassenrates
  • Abschlüsse eines Studienjahres
  • Möglichkeiten des Einspruchs gegen eine Entscheidung des Klassenrates

2. Erziehungs- und pädagogisches Projekt

2.1. Das Erziehungsprojekt des katholischen Unterrichtswesens

Das Erziehungsprojekt beinhaltet folgende Schwerpunkte:

  • Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll; er wird mit seinen Eigenarten angenommen und in seiner Entwicklung begleitet und ganzheitlich gefördert.
  • Der junge Mensch lernt sich in eine soziale und demokratische Gesellschaft zu integrieren.
  • Die Schule fördert die Fähigkeiten des jungen Menschen, die es ihm erlauben, aktiv und kompetent am Berufs- und Wirtschaftsleben teilzunehmen.
  • Die Schule und all ihre Mitarbeiter, begründen ihr pädagogisches und erzieherisches Handeln im Evangelium und in seiner Tradition.
  • Die Schule bietet jedem die Möglichkeit, seine eigene Identität aufzubauen; sie will dabei die christlich-religiöse Dimension einbeziehen.

Es gründet auf folgenden Überzeugungen:

  • Die Ausbildung und die Erziehung der jungen Menschen und das Leben christlicher Werte bilden eine Einheit.
  • Christliche Gemeinschaften stellen sich in den Dienst der Gesellschaft, insbesondere der Jugend, und übernehmen somit eine soziale Aufgabe.

2.2. Das pädagogische Projekt des Schulträgers „Bischöfliche Schulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft VoG“

Der Schulträger hat seinen Schulen ein pädagogisches Projekt aufgetragen. Es beschreibt die Erzie-hungsarbeit und gibt dazu folgende Anregungen:

  • Die Schule ist ein Lebensraum, wo Erwachsene und junge Menschen miteinander eine Lebensgemeinschaft bilden.
  • Die Schulgemeinschaften setzen sich in christlichem Geist dafür ein, dass das Schulleben als Dienst am Menschen und als Dienst an der Gesellschaft gestaltet wird.
  • Dieser Dienst soll verwirklicht werden:
    • durch eine optimale Ausbildung
    • durch eine Erziehung zur Mitverantwortung
    • durch eine Erziehung zu christlichem Denken und Tun
    • durch das Bewahren des kulturellen Erbes

Diesem Auftrag entsprechend werden die einzelnen Schulen versuchen, das tägliche Miteinander, die Unterrichtsinhalte und Unterrichtsmethoden zu leben und zu gestalten.

3. Mitteilungen an die Schüler zu Beginn eines Schuljahres

Zu Beginn eines Schuljahres informiert jede Lehrperson ihre Schüler über

  • die Zielsetzungen eines jeden seiner Kurse (laut den gültigen Lehrplänen)
  • die Kompetenzen und das Wissen, die zu erwerben, anzueignen und auszuüben sind
  • die benutzten Mittel der Bewertung und damit verbundene Regeln (Häufigkeit, Zeitpunk-te, Abwesenheiten usw.)
  • die Kriterien, die den Erfolg bestätigen
  • die organisierten oder angebotenen Lernhilfen
  • das schulische Material, das jeder Schüler benötigt, und andere Referenzmittel

Die Lehrperson beschreibt auch ihre Kriterien für eine qualitativ gute schulische Arbeit, ausgehend von der Überzeugung, dass der Schüler seinen Lern- und Reifungsprozess mitgestalten soll und dabei von seinen Lehrern, Erziehern und Erziehungsberechtigten begleitet und unterstützt wird.

4. Rechte und Pflichten des Schülers

Der Schüler hat das Recht und die Pflicht, am Unterricht und den schulischen Veranstaltungen teilzunehmen und an seinem eigenen Bildungsweg mitzuarbeiten.
Der Schüler hat das Recht über alle Angelegenheiten, die ihn betreffen, informiert, über seinen Leistungsstand unterrichtet und in Fragen der Schullaufbahn beraten zu werden.
Er hat das Recht, Entscheidungen, die ihn betreffen, zu beanstanden und angehört zu werden, bevor Disziplinarmaßnahmen angewandt werden.
Er darf seine Meinung frei äußern, und zwar im Respekt der physischen und moralischen Integrität seiner Mitschüler sowie aller Personalmitglieder.

Der Schüler soll die Arbeit in der Klassengemeinschaft unterstützen und auf folgende Richtlinien achten:

  • Die regelmäßige Anwesenheit im Unterricht und bei schulischen Aktivitäten.
  • Das Verantwortungsbewusstsein bei der schulischen Arbeit und bei der Beachtung der erhaltenen Ratschläge.
  • Das Beachten der Richtlinien, insbesondere bezüglich der Pünktlichkeit und der Sorgfalt.
  • Die Integration in eine soziale Gruppe und solidarisches Handeln bei der Durchführung einer Aufgabe.
  • Den Respekt gegenüber jeder Person und deren Arbeit.

Der Schüler hat die Pflicht, daran mitzuwirken, dass die Aufgaben der Schule erfüllt werden und das Bildungsziel erreicht wird; er ist insbesondere verpflichtet:

  1. die im Rahmen des Unterrichts oder im Interesse eines geordneten Schullebens notwendi-gen Anordnungen der Personalmitglieder der Schule zu befolgen und die Hausordnung zu respektieren
  2. alles zu unterlassen, was eine geordnete Unterrichts- und Erziehungsarbeit beeinträchtigt
  3. die schulischen Anlagen und Ausrüstungen pfleglich zu behandeln

5. Disziplinarmaßnahmen

Sie werden vom Schulträger beziehungsweise vom Schulleiter ausgesprochen.

5.1. Vorübergehender Ausschluss

Bei einem vorübergehenden Ausschluss ist der Schüler von allen Unterrichtsstunden und anderen Schulveranstaltungen seiner Klasse ausgeschlossen. Seine Anwesenheit in der Schule ist verpflich-tend, es sei denn, es wird schriftlich eine andere Vereinbarung mit den Erziehungsberechtigten getrof-fen. Ein Schüler kann im Laufe eines Schuljahres während höchstens 10 Schultagen vorübergehend von allen Unterrichtsstunden ausgeschlossen werden.

5.2. Schulverweis

Ein Schulverweis wird erst zum Zeitpunkt der Einschreibung in eine andere Schule wirksam, jedoch spätestens 15 Kalendertage nach Erhalt des weiter unten angeführten Einschreibebriefs (Schulferien-tage zählen nicht bei der Berechnung dieser Frist von 15 Kalendertagen). Bis zu diesem Zeitpunkt gilt der betroffene Schüler als vorübergehend ausgeschlossen. Die Schule sorgt für eine Begleitung des Schülers.

5.3. Verfahren beim vorübergehenden Ausschluss und beim Schulverweis

Bei einem vorübergehenden Ausschluss von drei Schultagen oder weniger wird der Schüler angehört.
Ein vorübergehender Ausschluss von mehr als drei Schultagen oder ein Schulverweis wird nur an-hand eines Verfahrens vorgenommen, das folgende Grundsätze beachtet:

  1. ein vorhergehendes Gutachten des Klassenrates wird eingeholt
  2. die Erziehungsberechtigten erhalten Einsicht in die Disziplinarakte
  3. der Schüler wird in Anwesenheit seiner Erziehungsberechtigten sowie gegebenenfalls seines Rechtsbeistandes angehört
  4. die getroffene Entscheidung wird schriftlich begründet und den Erziehungsberechtigten anhand eines Einschreibebriefs zugestellt

6. Das Tagebuch

Das Tagebuch ist ein wichtiges Arbeitsdokument:
Es hilft dem Schüler, seine schulische Arbeit zu planen und zeitlich abzusichern.
Es gibt den Erziehungsberechtigten Einsicht in die durch ihr Kind zu erledigenden Arbeiten.
Es erlaubt der Schule, bei Bedarf mit den Erziehungsberechtigten zu kommunizieren.
Das Tagebuch ist auch ein amtliches Dokument, das eingesehen werden kann und auch deshalb korrekt geführt werden muss.

7. Die Bewertungen und deren Mitteilung

7.1. Allgemeines zur Bewertung

Folgende Arbeiten dienen dem Lernprozess und können bewertet werden:

  • schriftliche Klassenarbeiten
  • mündliche Befragungen, Vorträge oder Präsentationen
  • persönliche Arbeiten oder Gruppenarbeiten
  • Hausaufgaben
  • angefertigte Arbeitsstücke und Hergestelltes aus Werkstatt, Küche, Nähatelier, Labor, usw.
  • Praktika und Praktikaberichte
  • Bilanzen, Prüfungen, Qualifikationsprüfungen (Verteidigung), Tests usw.
  • Mitarbeit im Unterricht

Der Lernprozess des Schülers, sowie seine Mitarbeit und Teamfähigkeit werden regelmäßig durch jede Lehrperson und durch den Klassenrat bewertet.

Die Bewertung hat eine doppelte Funktion:

a) Beratung (formative Bewertung):

Sie informiert den Schüler über den Stand seiner Lernprozesse und Kompetenzaneignung. Der Schüler kann sich somit eventueller Lücken bewusst werden und entsprechende Ratschläge und Hinweise erhalten. Diese formative Bewertung ist wesentlicher Bestandteil der Ausbildung: Sie erlaubt dem Schüler ein vorläufiges Recht auf fehlerhaftes Wissen und Können.

b) Zertifizierung (normative Bewertung):

Sie geschieht am Ende verschiedener Lernphasen mit oder ohne zusätzlicher Hilfen. Dazu sind Arbeiten und Prüfungen vorgesehen, deren Bewertungen in die Zeugnisresultate und in die Jahresentscheidung einfließen.

Die Zertifizierung geschieht mittels eines Zeugnisses über:

–     die Jahresarbeit oder Jahrespunkte an zwei oder vier Daten im Laufe eines Schuljahres mittels der bis dann vorliegenden normativen Bewertungen;

–    die Noten von Prüfungen oder Lernproben im Dezember und im Juni eines Schuljahres;

–    die Bewertung von Praktika;

–    die Resultate der Zwischenbilanzen in einem modularen System.

7.2. Gewichtung der zertifizierenden Jahres- und Prüfungspunkte im Zeugnis

Im Zeugnis wird die Bewertung für die Jahres- und die Prüfungsarbeit getrennt vermerkt. Die Höchstnote, die im Zeugnis angeführt ist, ändert je nach Periode und Klasse (siehe nachstehende Tabelle). Jahres- und Prüfungsarbeit ergeben am Ende des Schuljahres das Jahresresultat, das pro Fach in Prozentzahlen ausgedrückt wird.

Die Schüler des 1. und 2. Jahres der berufsbildenden Klassen erhalten vier Zeugnisse mit insgesamt vier Periodennoten und für manche Fächer zwei Prüfungsresultaten.

Für alle anderen Schüler wird vor den Novemberferien und vor den Osterferien ein Hinweiszeugnis geschrieben. Das Hinweiszeugnis zieht Zwischenbilanz und informiert die Schüler, Eltern und Lehrer über die Notenentwicklung und die Arbeitshaltung der beiden vergangenen Monate.

7.3. Abwesenheiten eines Schülers bei zertifizierenden Arbeiten

Bei Klassenarbeiten (Tests)

  • Begründete Abwesenheiten
    Nach begründeter Abwesenheit nimmt der Schüler sofort bei der Rückkehr Kontakt mit dem Lehrer auf zwecks Besprechung des Versäumten, sowie eventueller Arbeiten, die nachgeschrieben werden müssen. Geschieht dies nicht, kann die Arbeit mit 0 bewertet werden.
  • Unbegründete Abwesenheiten
    Im Falle eines stundenweisen Fernbleibens vom Unterricht verfällt das Recht die Klassen-arbeit nachzuschreiben. Die Klassenarbeit wird in diesem Fall mit 0 bewertet.
    Im Falle einer Verweigerung die Klassenarbeit mitzuschreiben, wird die Arbeit mit 0 bewertet.
    Im Falle einer verspäteten Abgabe einer Arbeit gibt es einen Punkteabzug, der dem Schüler vorab definiert wurde.

Im Falle des Gebrauchs unerlaubter Hilfsmittel bei allen schriftlichen und mündlichen Arbeiten und bewerteten Aufgaben (Test, Klassenarbeit, Prüfung, Vortrag, Endarbeit, Praktikumsbericht, Buchrezension, usw.), wird diese Arbeit oder Aufgabe mit 0 bewertet.

Bei Prüfungsarbeiten

zu denen in diesem Abschnitt auch Nachprüfungen, Bilanzen, Befähigungsprüfungen und Lernproben zählen, die außerhalb der Prüfungsperiode abgehalten werden.

Begründete Abwesenheiten
Im Falle einer Abwesenheit an einem oder mehreren Prüfungstagen ist ein ärztliches Attest erforderlich.
Die Entscheidung, ob und wann die Prüfung nachgeschrieben werden soll, ist dem Lehrer bzw. dem Klassenrat überlassen. Der Schüler nimmt bei seiner Genesung unmittelbar Kontakt zum Lehrer oder Schulleiter auf.

Unbegründete Abwesenheiten
In diesem Fall darf die Prüfung nicht nachgeschrieben werden und wird mit 0 bewertet.

Im Falle des Gebrauchs unerlaubter Hilfsmittel bei allen schriftlichen und mündlichen Arbeiten und bewerteten Aufgaben (Test, Klassenarbeit, Prüfung, Vortrag, Endarbeit, Praktikumsbericht, Buchrezension, usw.), wird diese Arbeit oder Aufgabe mit 0 bewertet.

7.4. Kriterien für den Erfolg in zertifizierenden Fächern

Am Ende des Schuljahres trifft der Klassenrat die Versetzungsentscheidung und orientiert den Schüler, bzw. macht Vorschläge für das Weiterstudium.

Falls der Schüler in jedem Unterrichtsfach sowie in der Abschlussarbeit mindestens 50 % des Jahresresultats sowie 60 % im Jahresresultat folgender Fächer (a):

  • Abteilung „Familienhelfer/in“ und „Pflegehelfer/in“: Praktikum, praktische Lernprobe in Personenpflege und in Haushaltsführung
  • Abteilung „Bekleidung und Verkauf“ und „Verwaltung und Geschäftsführung“: Maschinennähen, Änderungsarbeiten, Bekleidung und Schnitte, Praktikum, Verkaufskunde und Handelstechniken
  • Abteilung Erziehung: Psychopädagogik und Seminare, Kommunikation, Erziehungstechniken, Hygiene, Sozialkunde, Praktikum und Praktikumsberichte, Qualifikationsprüfungen
  • Abteilung „Büroassistent/in“: Gesamtnote der Qualifikationsprüfungen
    1. Falls lediglich eine Note unter 50 % bzw. 60 % (Fächer a) liegt, entscheidet der Klassenrat über eine Versetzung mit oder ohne Einschränkung bzw. eine Nachprüfung.
    2. Falls mehr als 4 Benotungen oder mehr als die Hälfte der Wochenstunden unter 50 % bzw. unter 60 % (Fächer a) liegen, erhält der Schüler die Orientierungsbescheinigung C, wobei er das Schuljahr wiederholen bzw. sich neu orientieren kann.

In allen anderen Fällen entscheidet der Klassenrat.

erreicht hat, so wird er ohne Einschränkung mit einer Orientierungsbescheinigung A versetzt, die ihm erlaubt ins nächst höhere Schuljahr einzusteigen. Die Fächer (a) mit einer Minimumnote von 60 % werden im Zeugnis durch ein Sternchen* gekennzeichnet.

Falls ein Schüler diese Bedingungen nicht erfüllt, ergeben sich folgende Situationen:

Schüler der 5. und 6. technischen Befähigung Erziehung, die ihre praktische Befähigungsprüfung nicht mit 60 % bestanden haben, dürfen, obwohl der Klassenrat weder ein Muster ausgesprochen noch eine Entscheidung über die Anzahl der Nachprüfungen getroffen hat, Praktikum und Befähigungsprüfung Ende Juni (zwischen Prüfungsende und 30. Juni) in einem Kindergarten oder einer Förderschule wiederholen, weil diese pädagogischen Einrichtungen in den Schulferien geschlossen sind.

Der Einstieg in eine 7. berufliche Befähigung ist nur möglich nach Erhalt des Studienzeugnisses des 6. Jahres und des Befähigungsnachweises des 6. Jahres der entsprechenden Abteilung.

Der Einstieg in eine 6. technischen Befähigung ist nur möglich nach bestandenem 5. Jahr und bestandenen Befähigungsprüfungen der 5. technischen Befähigung.

7.5. Übergabe der Zeugnisse

Ende Oktober, Weihnachten, Ostern und Ende Juni wird jeweils ein Zeugnis bzw. Hinweiszeugnis ausgestellt. Es enthält Auskünfte über die schulische Arbeit, sowie Angaben des Klassenrates zum schulischen und sozialen Verhalten des Schülers. Prüfungen werden in verschiedenen Fächern im Dezember und um Juni geschrieben.

Die Erziehungsberechtigten sind gebeten, das Zeugnis einzusehen und zu unterschreiben, es muss dann in der Schule wieder abgegeben werden. Das Jahreszeugnis (Versetzungszeugnis) soll der Schüler zu Hause aufbewahren und Anfang des folgenden Schuljahres wieder zur Schule mitbringen.

8. Zusammensetzung und Zuständigkeiten des Klassenrates

Ein Klassenrat besteht aus der Schulleitung, seinem Delegierten, dem Klassenleiter, den Lehrern und eventuellen anderen Mitgliedern, die den Schüler betreuen (Erzieher, Vertreter von Kaleido). Er tagt unter dem Vorsitz des Schulleiters oder seines Delegierten.

Im Laufe eines Schuljahres befindet der Klassenrat vor allem über die Lernsituation der Schüler, über ihre Arbeitseinstellung, ihre schulischen Schwierigkeiten und ihre Integration in der Klassengemeinschaft; er teilt den Schülern und ihren Erziehungsberechtigten seine Beobachtungen und Ratschläge im Zeugnis oder im Tagebuch mit.

Ein Klassenrat kann zu jeder Zeit einberufen werden.

Der Klassenrat berät und entscheidet am Schuljahresende über die Versetzung und Orientierung eines jeden Schülers einer Gruppe, über das Verleihen von Studiennachweisen und Abschlusszeugnissen innerhalb der Schule. Dabei beruft er sich auf alle Informationen, die ihm bezüglich des Schülers zur Verfügung stehen: seine vorherigen Studienjahre, seine Bewertungen in den einzelnen Fächern, Informationen, die in seiner Schulakte vorhanden sind, vom Kaleido-Dienst mitgeteilt oder aus Gesprächen mit dem Schüler und seinen Erziehungsberechtigten herrühren. Er orientiert sich auch an die unter Punkt 7.4. erwähnten Kriterien.

Der Klassenrat ist autonom in seinen Entscheidungen. Seine Beschlüsse werden kollegial getroffen. Details aus den Beratungen, die zu einer Entscheidung geführt haben unterliegen der Diskretions-pflicht. Dies schließt nicht aus, dass die Begründungen der Entscheidung des Klassenrates wahrheitsgetreu mitgeteilt werden können.

Wenn bei der Entscheidungsfindung eine Abstimmung erfolgen muss, sind alle Mitglieder des Klassenrates – außer der Schulleitung – stimmberechtigt. Das Mitglied verfügt über eine Stimme pro Unterrichtsfach, das er dem Schüler erteilt. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Schulleiter. Ein Mitglied eines Klassenrats darf weder beraten noch an der Entscheidung betreffend einen Schüler teilnehmen, wenn es dessen Ehepartner, Elternteil oder Verwandter bis zum vierten Grad einschließlich ist oder wenn er dem Schüler Privatunterricht erteilt hat.

Die Anwesenheit bei Klassenräten von Mitarbeitern des Dienstes für die gesunde Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen in der DG (Kaleido) bedeutet nicht, dass diese an der Beschlussfassung beteiligt sind, sondern am Entwicklungskonzept der Schüler mitarbeiten.

Erziehungsberechtigte und großjährige Schüler haben die Möglichkeit, die sie betreffenden bewerteten Unterlagen, und nur diese, einzusehen.

9. Abschlüsse eines Studienjahres

9.1. Jahresabschlussentscheidungen

Eine Entscheidung über Versetzung oder Studienabschluss kann nur für Regelschüler getroffen werden, das heißt für Schüler, die entsprechend der Hausordnung nicht zu häufig unbegründet abwesend waren. Der Schulleiter informiert die Erziehungsberechtigten des Schülers, ab wann dieser administrativ nicht mehr als Regelschüler, sondern als freier Schüler gilt.

Mit seiner Entscheidung kann der Klassenrat Folgendes ausschließen oder empfehlen:

eine oder mehrere Unterrichtsformen bzw. Abteilungen

– allgemeinbildender Unterricht

– technischer Übergang

– technische Befähigung, auch Qualifikation genannt

– berufsbildende Befähigung

eine Studienrichtung

– einfaches Grundwahlfach

– zusammenhängende Grundwahlfächer

– ein Pflichtfach wie z.B. „Muttersprache Deutsch“

9.2. Orientierungsbescheinigungen

Es gibt drei verschiedene Orientierungsbescheinigungen:

  • Die Orientierungsbescheinigung A bedeutet, dass der Schüler das Jahr bestanden hat und ohne Einschränkung ins nächste Studienjahr versetzt wird.
  • Die Orientierungsbescheinigung B bedeutet, dass der Schüler das Jahr zwar bestanden hat, jedoch nur mit Einschränkungen ins nächste Studienjahr versetzt wird. Er wird im nächsten Jahr eine bestimmte (oder mehrere) Unterrichtsform(-en), Abteilung(-en), Studienrichtung(-en)
    oder ein bestimmtes Fach nicht belegen dürfen.
  • Die Orientierungsbescheinigung C bedeutet, dass der Schüler das Jahr nicht bestanden hat. Schüler einer ersten allgemeinbildenden Klasse dürfen mit diesem Muster in eine zweite berufsbildende Klasse versetzt werden.

Die Orientierungsbescheinigungen werden vom Klassenrat ausgestellt. Darin wird das Muster B oder C begründet.

Im sechsten Jahr des allgemeinbildenden und des technischen Unterrichts sowie im sechsten und siebten Jahr des berufsbildenden Unterrichts werden keine Orientierungsbescheinigungen, sondern Abschlusszeugnisse vergeben.

Das Zeugnis am Jahresende enthält auch die vom Klassenrat ausgesprochene Entscheidung (mit deren Begründung im Falle einer Orientierungsbescheinigung B oder C).

Eine Einschränkung per Orientierungsbescheinigung B kann aufgehoben werden:

  • durch das Bestehen eines nächst höheren Studienjahres, das der ausgesprochenen Einschränkung nicht widerspricht.
  • durch das Wiederholen des Studienjahrs, das mit der Orientierungsbescheinigung abgeschlossen worden ist.
  • durch den Zulassungsrat im Falle, dass nach erfolgreichem Abschluss eines Studienjahrs ein Schüler dieses Jahr in einer anderen Unterrichtsform oder Studienrichtung wiederholen möchte, deren Zugang ihm vorher verboten war.

9.3. Studiennachweise

Entsprechend den legalen Vorschriften können folgende Studiennachweise ausgestellt werden:

  • Abschlusszeugnis der Grundschule nach dem 1. Anpassungsjahr
  • Studienzeugnis des zweiten Jahres des berufsbildenden Sekundarunterrichts
  • Abschlusszeugnis der Unterstufe des Sekundarunterrichts
  • Abschlusszeugnis der Oberstufe des Sekundarunterrichts
  • Studienzeugnis des sechsten Jahres des berufsbildenden Sekundarunterrichts
  • Befähigungsnachweis des sechsten Jahres des Sekundarunterrichts
  • Befähigungsnachweis des siebten Jahres des Sekundarunterrichts
  • Nachweis der Grundkenntnisse in Betriebsführung

Befähigungsnachweise werden nicht durch den Klassenrat, sondern durch eine dazu eingesetzte Jury verliehen.

9.4. Ferienarbeiten

Ferienarbeiten sind eine Hilfe, die dem Schüler einen besseren Einstieg in das folgende Schuljahr erlauben soll. Eine Ferienarbeit in einem oder in mehreren Fächern kann dem Schüler auch dann gegeben werden, wenn er im Juni eine Orientierungsbescheinigung A oder B oder Nachprüfungen (in anderen Fächern) erhalten hat. Über die auferlegten Ferienarbeiten werden die Schüler zu Beginn des neuen Schuljahres befragt.

Die Bewertung der Ferienarbeit wird dann für ein Viertel der Jahresarbeit des 1. Trimesters im nächsten Zeugnis berücksichtigt.

9.5. Nachprüfungen

Wenn der Klassenrat der Meinung ist, dass im Juni wegen Mängel in einem oder mehreren Fächern noch keine Versetzungsentscheidung getroffen werden kann, kann er eine oder mehrere Nachprüfungen vorsehen, die im Laufe der zweiten Monatshälfte August abgehalten werden. Das genaue Datum der Nachprüfung wird bei der Zeugnisvergabe Ende Juni mitgeteilt. Der Klassenrat entscheidet anschließend über die Versetzungsentscheidung oder den Studienabschluss.

Ende Juni wird dem Schüler mitgeteilt, wann er die Entscheidung des Klassenrates erhält:

– der Tag, an dem er bereits telefonisch das Muster anfragen kann

– der Tag, an dem er den Anhang seines Zeugnisses sowie die Orientierungsbescheinigung im Fall von Muster B oder C abholen kann. Diese Orientierungsbescheinigung enthält die Musterbegründung des Klassenrates.

  • Falls der Schüler die Nachprüfungen mit mindestens 50 % oder 60 % in den Fächern (a) bestanden hat, wird er ohne Einschränkung versetzt und erhält die Orientierungsbescheinigung A, die ihm erlaubt ins nächst höhere Schuljahr einzusteigen
  • Falls mindestens eine Nachprüfung mit weniger als 50 % bewertet worden ist, wird der Klassenrat ein Muster C oder ein Muster B mit Einschränkungen aussprechen.

10. Möglichkeiten des Einspruchs gegen eine Entscheidung des Klassenrates

Ein Einspruch kann nur im Falle einer Entscheidung durch den Klassenrat eingereicht werden, also nicht gegen das Verordnen von Nachprüfungen, Ferienarbeiten oder das Nichterteilen eines Befähigungsnachweises.

10.1. Schulinterner Einspruch

Ein Einspruch gegen die Versetzungsentscheidung muss von den Erziehungsberechtigten oder vom volljährigen Schüler spätestens am zweiten Arbeitstag nach Mitteilung der Entscheidung schriftlich bei der Schulleitung eingereicht werden, wobei ein Einspruch gegen Nachprüfungen oder das Nichterteilen eines Befähigungsnachweises nicht möglich ist.

Die Schulleitung bestätigt am selben Tag die Entscheidung des Klassenrates oder legt diesen Fall erneut dem Klassenrat zur Entscheidung vor. Nach Möglichkeit entscheidet der Klassenrat am selben Tag oder am darauffolgenden Arbeitstag. Die Einspruchskammer wird nur dann in Anspruch genommen, wenn die interne Beschwerdemöglichkeit ausgeschöpft wurde.

10.2. Einspruch bei der Einspruchskammer

Ist der Schüler oder sein Erziehungsberechtigter mit der Bestätigung durch den Schulleiter oder mit der erneuten Entscheidung des Klassenrates nicht einverstanden, hat er das Recht, die Einspruchskammer mit der Angelegenheit zu befassen.

Der Einspruch muss begründet sein und erfolgt schriftlich innerhalb von zehn Tagen nach Erhalt der Entscheidung. Es steht dem Beschwerdeführer frei, der Einspruchskammer Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die zum besseren Verständnis der Angelegenheit beitragen können. Die Unterlagen beinhalten keine Schriftstücke über Entscheidungen bezüglich anderer Schüler.

Der Einspruch wird per Einschreiben an das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Abteilung „Organisation des Unterrichtswesens“ gerichtet, das die Einspruchskammer unverzüglich einberuft. Der Beschwerdeführer stellt dem Schulleiter gleichzeitig eine Kopie des Einspruchs zu. Der Schulleiter ist berechtigt, der Einspruchskammer ein begründetes Gutachten oder Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die zum besseren Verständnis der Angelegenheit beitragen können.

Die Einspruchskammer kann sämtliche zweckdienliche Unterlagen von der Schule anfordern. Sie kann Personen anhören und sich von Experten beraten lassen. Der Klassenrat ist berechtigt, angehört zu werden.

Die Einspruchskammer befindet darüber, ob die gesetzlichen und verordnungsrechtlichen Bestimmungen bei der Entscheidungsfindung eingehalten worden sind. Sie kann Entscheidungen über die Versetzung oder die Vergabe eines Studiennachweises aufheben; der Klassenrat wird in diesem Falle erneut mit der Angelegenheit befasst.

Gegen diese Entscheidung des Klassenrates kann kein erneuter Einspruch erhoben werden.

Die Einspruchskammer wird ebenfalls angerufen, um Beschwerde gegen einen Schulverweis einzulegen. Sie kann Schulverweise annullieren.

11. Kontakte zwischen Erziehungsberechtigten und Schule

  • Öffnungszeiten der Schule: Schulbeginn ist morgens um 08:20 Uhr und nachmittags um 13:30 Uhr, Schulende ist um 12:30 Uhr bzw. um 16:00 Uhr.
  • Elternsprechtage finden in den Monaten November, Januar und Juni statt. Die Hauptthemen sind Arbeitsverhalten, soziale Eingliederung in der Schule, Resultate und Orientierung der Schüler.
  • Die Eltern können auch jederzeit Terminabsprachen mit der Direktion, Lehrpersonen und Erzieherinnen treffen.
  • Kaleido DG:Das Zentrum für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in der DG, Residenz Le Perron, Eifel-Ardennen-Straße 36, B-4780 St.Vith, unterstützt Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Es ist zu erreichen in der Schule, jeden Montag während der Vormittagspause von 10:40 bis 11:00 Uhr, im Verwaltungsgebäude der Schule (1. Etage), per E-Mail an st.vith@kaleido-ostbelgien.be oder per Telefon 080/403020.

12. Zurkenntnisnahme durch Schüler und Erziehungsberechtigte

Erziehungsberechtigte und Schüler bescheinigen per unterschriebenem Formular die Zurkenntnisnahme der Hausordnung, der Studienordnung und des Schulprojektes, die auf der Webseite der Schule einzulesen sind (www.mg-stvith.be).

Das ausgefüllte Formular wird in der Schule abgegeben und erst dann ist eine Einschreibung gültig.